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5.5.1922: Das erste Autoradio
Zwei der wichtigen und bahnbrechenden Entwicklungen des 20. Jahrhunderts brauchten nur wenige Jahre um zueinander zu finden. Das Auto war gerade ein paar Jahrzehnte alt, und in den USA hatte Henry Ford mit der Einführung der Fließbandarbeit dem Automobilbau bereits den Weg gewiesen.

Der Rundfunk dagegen steckte noch in den Kinderschuhen, als, sinnigerweise in den USA und in einem Auto der Marke Ford Model T, unerhörtes geschah. Nachdem George Frost den Motor seines Autos gestartet und es sich bequem gemacht hatte, drehte er an zwei Knöpfen, und die Welt war nicht mehr dieselbe.

Für den findigen George mochte dies ein kleiner Schritt gewesen sein, für die Menschheit war es ein gewaltiger Sprung. Frost, gerade 18 Jahre alt und Präsident des Lane High School Radio Club in Chicago, hatte das Autoradio erfunden. Im Nachhinein erweist sich diese Feststellung als gewagte Behauptung, da heute diese Erfindung von vielen reklamiert wird, doch die Quellenlage lässt vermuten, dass er wirklich der erste war.

Volker Eis von der Abteilung technische Information der Ford AG Deutschland in Köln sieht das ähnlich: "Die Schwierigkeit liegt schlicht und ergreifend darin, dass die ersten Radios, die in Autos eingebaut wurden, stationäre Radios waren, und es gab immer einige Tüftler, die Radios in Autos eingebaut haben."

Und wie war das mit dem Platzbedarf?

Eis: "Wenn's ein Auto mit zwei Sitzbänken war, dann war die hintere Sitzbank komplett durch das Radio und die Antenne belegt."

Das Autoradio gehört ohne Frage zu den Errungenschaften, ohne die man, hat man sie einmal genossen, nicht mehr auszukommen glaubt. Ist es nicht schon selbstverständlich geworden, mit 180 über die Autobahn zu rauschen und dabei die Tannhäuser-Premiere an der Mailänder Scala miterleben zu können? Oder die Bundesliga-Konferenzschaltung am Samstag Nachmittag?

Und mitunter ist es ohne das Radio überhaupt unmöglich, noch voran zu kommen. Vorausgesetzt, man hört die Verkehrsmeldungen, bevor man selbst zum Teil der Staumeldung geworden ist.

Doch ist der Radioempfang heute nur noch ein Teil jener Möglichkeiten, die das moderne Autoradio bietet. Noch einmal Volker Eis:

"Ja, also ich denke grundsätzlich hat sich das Radio ähnlich entwickelt wie der Verkehr, und die Bedürfnisse, die durch den Verkehr entstehen haben sich auf die Entwicklung des Radios ausgewirkt und das heutige Radio bietet da ja inzwischen mit RDS Möglichkeiten speziell ausgerichtet auf das Autofahren."

Und in Zukunft? Wohin geht die Entwicklung des Autoradios, dessen erstes Exemplar am 5. Mai 1922 in die Tür eines Ford T-Modells eingebaut worden war?

Eis: "In diesem Radio, in diesem Gerät, was man als Autoradio bezeichnet, sind halt verschiedene Möglichkeiten integriert. Ob es jetzt Telefon, Internetanschluss, Navigation oder halt das Radio sind, diese Möglichkeiten bietet dieses Gerät heute."

Die mobile Kommunikationseinheit oder Autoradio, es ist längst unverzichtbar geworden. Und begehrt: die meisten Einbrüche in geparkte Autos dienen lediglich dazu, das Radio zu klauen.

Musste man vor zehn, fünfzehn Jahren noch das ganze Gerät ausbauen und mitnehmen, hat man es heute einfacher. Dank der Elektronik ist es möglich geworden, das Radio im Auto zu lassen und nur das Bedienfeld mitzunehmen. Das kann sich der Automobilist wie eine Brieftasche in die Jacke stecken. Doch ungetrübt ist die Freude darob nicht. Nicht nur, dass diese Teile jeden Anzug unfein ausbeulen, hat es auch noch die Eigenschaft zu jenen Dingen zu gehören, die gerne vergessen werden.

Und da ohne Radio Auto zu fahren auch nicht viel besser ist, als zu Fuß zu gehen, hat der vergessliche Autofahrer auf noch mehr zu achten. Die Bedienungseinheit zu Hause zu lassen, ist beinahe so ärgerlich, wie den Durst seines Autos zu unterschätzen.

Autor: Dirk Ulrich Kaufmann
   
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