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10.6.1982: Demonstration gegen die NATO
Mitte der 1970er Jahre verschärfte sich der Ost-West-Konflikt erneut. Grund hierfür waren wachsende Spannungen zwischen den USA und der damaligen UdSSR insbesondere in der Frage der Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen. Die UdSSR rüstete mit SS 20-Raketen auf. Europa lag damit in ihrem Angriffsfeld.

Nachrüstungsdebatte

Als Reaktion beschlossen die Außen- und Verteidigungsminister der NATO-Mitgliedsstaaten am 12. Dezember 1979 den NATO-Doppelbeschluss. Dagegen formierten sich Protestbewegungen in der deutschen Öffentlichkeit. Diese richtete sich insbesondere gegen die vorgesehene Stationierung US-amerikanischer Pershing II-Raketen in der Bundesrepublik. Die Angst vor einer neuen "Rüstungsspirale" und einer drohenden Nukleargefahr wuchs, es bildete sich die "Friedensbewegung".

Der 10. Juni 1982

Am 10. Juni 1982 erreichten die Demonstrationen ihren vorläufigen Höhepunkt, als der damalige US-amerikanische Präsident Ronald Reagan aus Anlass des NATO-Gipfels in Bonn eintraf. Auf einer der größten Demonstrationen in der Geschichte der Bundesrepublik versammelten sich auf der Bonner Hofgartenwiese rund 400.000 Teilnehmer. Sie folgten dem Aufruf eines gesellschaftlichen Bündnisses aus Teilen der Kirchen, der Gewerkschaften, der SPD sowie den Grünen, die sich 1980 als Partei zusammengeschlossen hatten. Die Demonstranten warnten vor der Gefahr eines erneuten Rüstungswettlaufs zwischen den Supermächten und forderten die Rücknahme des NATO-Doppelbeschlusses sowie die "Schaffung einer atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa".

Ein Redner der Kundgebung: "Anlässlich der NATO-Gipfelkonferenz demonstrieren wir am 10. Juni gegen die aggressive Rüstungspolitik von Ronald Reagan und den NATO-Nachrüstungsbeschluss. Durch die Stationierung von Waffen, die im Ernstfall alles Leben auf der Erde vernichten, fühlen wir uns bedroht. Der NATO-Nachrüstungsbeschluss erhöht die Gefahr eines Krieges, den keiner von uns überleben wird. Davor haben wir Angst."

Zu den Befürwortern des NATO-Doppelbeschlusses zählten dagegen die Opposition aus CDU und CSU, aber auch die FDP sowie Teile der SPD. Sie warnten vor der Bedrohung durch sowjetische Raketen. Diese würden das strategische Gleichgewicht in Europa gefährden sowie den Verlust des Schutzes der Bundesrepublik durch die US-Amerikaner nach sich ziehen.

Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen und Doppel-Null-Lösung

Trotz dieser Proteste billigte der Bundestag nach einem Regierungswechsel im Oktober 1982 unter Führung der nun regierenden CDU/ FDP-Koalition mit knapper Mehrheit die Stationierung der Pershing II in der Bundesrepublik. Sie begann Ende 1983.

Beendet wurde die Streitfrage um die SS 20- und Pershing II- Raketen erst durch die so genannte Doppel-Null-Lösung von 1987. Unterzeichnet vom damaligen US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan und dem sowjetischen Parteichef Michael Gorbatschow sah sie eine Einigung der beiden Blöcke über den Abbau aller nuklearen Mittelstreckenraketen vor.



Autorin: Stefanie Golm
   
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