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24.5.1819: Mit Volldampf über den Atlantik
Das war ein merkwürdiges Schiff, das im Frühsommer 1819 im englischen Hafen Liverpool einlief - eine Dreimast-Fregatte mit riesigen Schaufelrädern steuerbords und backbords und einem hohen qualmenden Schornstein zwischen Fock- und Großmast.

Staunend begafften Liverpooler das Unikum namens "Savannah", umfuhren es mit Ruderbooten und Schaluppen und wussten, dass sie Zeugen einer Pioniertat geworden waren.

Erstmals in der Seefahrtsgeschichte hatte ein Schiff den Atlantik zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien zumindest zeitweilig mit Dampfkraft überquert. 27 Tage hatte die Überfahrt von Savannah, US-Bundesstaat Georgia, nach Liverpool gedauert, 85 Stunden davon war die "Savannah" unter Dampf gefahren.

Ganz traute man zu jener Zeit der Dampfkraft noch nicht und rüstete Schiffe zur Sicherheit mit Masten und Takelage aus, um bei Ausfall der Maschine mit Windkraft vorwärts kommen zu können. Immerhin hatte die "Savannah" unter Kapitän Roger eine beachtliche Leistung vollbracht und gegenüber dem Segelprinzip bewiesen, dass der Dampfkraft die maritime Zukunft gehörte.

Das Schiff, nach alter Vermessung 350 Bruttoregistertonnen klein und ausgestattet mit einer Maschinenleistung von 30 PS, zeigte auch auf der schwierigeren Rückreise in Ost-West-Richtung seine Fähigkeiten und lief wohlbehalten in New York ein.

Kaum hatten in Großbritannien James Watt und andere Erfinder betriebstaugliche Dampfmaschinen entwickelt, wurden die relativ leistungsstarken Aggregate auch schon für neue Verkehrsmittel genutzt. Die Eisenbahn ersetzte die Pferdekutsche, Dampfschiffe verkehrten auf Flüssen und Kanälen. In der Alten wie in der Neuen Welt forcierten umtriebige Erfinder und Unternehmer den Bau von Eisenbahnlinien und Dampfschiffen.

Besonders erfolgreich war der US-Amerikaner Robert Fulton, dessen Schiff "Clermont" mit einer James-Watt-Maschine auf dem Hudson von New York nach Albany verkehrte. Seine technischen Daten: Leistung 20 PS, Geschwindigkeit fünf Knoten.

Schon 20 Jahre zuvor hatte Fultons Landsmann John Fitch ein Dampfschiff konstruiert, das den Delaware zwischen Philadelphia und Burlington befuhr und von sich hebenden und senkenden Paddeln angetrieben wurde. Später ersetzte Fitch diese komplizierte und pannenanfällige Konstruktion durch Schaufelräder. Sie wurden die bevorzugte Antriebsart - als Heckschaufelrad oder Seitenschaufelräder.

1836 baute man in Großbritannien den ersten Schraubendampfer. Die Schiffschrauben waren nach dem Prinzip der archimedischen endlosen Schraube einem Korkenzieher ähnlich, später ersetzte man sie durch Propeller. Und Dampfturbinen lösten die Dampfkolbenmaschinen ab.

Die Europäer standen den Nordamerikanern in punkto Unternehmungsgeist nicht nach. Hochseetaugliche Postdampfer versahen ab 1816 ihren Dienst zwischen den großen Hafenstädten, so die britische "Eagle".

Bald verkehrten zwischen Großbritannien und dem kontinentalen Europa komfortable Dampfschiffe, Linienverkehre vom Mutterland nach den weit entfernten Ländern des Empire wurden eingerichtet. Und auch die Franzosen und Niederländer erkannten die Vorteile der Dampfschifffahrt, einer der ersten französischen Passagierdampfer war die "Elise".

Die Transatlantikreise der "Savannah" 1819 war noch nicht gewinnbringend gewesen. Jahrelang fuhren Dampfschiffe nur vereinzelt über den "Großen Teich". So schickten zwei britische Reedereien erst 1838 Dampfschiffe auf die Reise nach Amerika. Aber ab 1840 verkehrten regelmäßig Passagierdampfer zwischen Europa und Nordamerika. Initiator war der kanadische Schiffseigner Samuel Cunard, der mit der "Britannia" den transatlantischen Liniendienst zwischen Halifax, Kanada, und Liverpool aufnahm.

In Deutschland eröffnete die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actiengesellschaft HAPAG 1847 den Dienst nach der Neuen Welt, zehn Jahre später folgte der bremische Norddeutsche Lloyd. Die beiden deutschen Reedereien stiegen in wenigen Jahren zu führenden Schifffahrtsunternehmen auf. Sie profitierten vor allem von den großen Auswanderungswellen von Europa nach USA.

Wir wissen nicht, ob der erste Transatlantikdampfer "Savannah" mit solchem Typhon-Tuten in Liverpool begrüßt wurde, aber erst seit Beginn der Dampfer-Ära hallen diese tiefen Töne über die Meereswellen - zum freundlichen Gruße, aber auch zur Warnung.

Autor: Karl-Heinz Lummerich
   
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